Ist bio nachhaltig
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Ist Bio eigentlich nachhaltig?

Bio Siegel geben uns ein gutes Gefühl beim Einkauf. Doch sind Bio Lebensmittel wirklich besser, gesünder und nachhaltiger?

Was Bio und Nachhaltigkeit verbindet, unterscheidet, und worauf du achten solltest, wenn du wirklich nachhaltig einkaufen willst, erfährst du in diesem Artikel.

Vielleicht kaufst du öfter Bio oder gehst sogar in Bio Supermärkte. Oder du hast dir schonmal überlegt ob es sinnvoll ist Bio Lebensmittel einzukaufen. Egal wie: Die Frage ob Bio wirklich besser und der hohe Preis gerechtfertigt ist, haben sich die meisten von uns schonmal gestellt.

Das EU Bio-Siegel und die Nachhaltigkeit

Das Bio-Siegel der EU ist zumindest mal ein Anfang. Es schränkt den Einsatz von Pestiziden ein, limitiert die Anzahl gehaltener Tiere pro Stallfläche, verbietet chemische Dünger und regelmäßiges Füttern mit Medikamenten.

Das klingt alles schonmal gut und ist ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem handelt es sich bei EU-zertifizierten Betrieben oft um industrielle Produzenten. Wenn in riesigen Gewächshäusern eine Tomatenpflanze neben der anderen und auf dem Feld davor Mais steht, soweit das Auge reicht, dann sind das Monokulturen. Auch wenn diese ohne chemische Pestizide auskommen, sie laugen die Böden aus und fördern nicht das natürliche Gleichgewicht. Insekten und andere Krabbeltiere werden hier kaum zu finden sein.

In der Tierhaltung sieht das ähnlich aus: auch wenn die Menge der Tiere auf einer bestimmten Fläche eingeschränkt ist, so sind 20.000 Hennen im Stall keine artgerechte Haltung. Klar, den Hennen geht es besser als ihren Kollegen im Käfig, aber nachhaltig ist auch das nicht. Genau so wenig wie Bio-Futter, was lange und CO² intensive Reisen unternimmt, um unsere Bio-Schweine zu versorgen.

Nachhaltigkeit bei den Anbauverbänden

Naturland, Bioland, Demeter und Co. – Sie sind die „Guten“ unter den Bio-Siegeln. Sie fordern Kreislaufwirtschaft bei ihren Verbandsmitgliedern. Damit wird das Futter größtenteils am Hof hergestellt, Dünger und Kompost selbst produziert und auch den Tieren geht es deutlich besser. Weidezugang ist da vorgeschrieben, noch weniger Tiere pro m² als bei EU-Bio und auch das Futter muss frisch sein – sofern es die Jahreszeit zulässt.

Die Verbände fördern kleinere Betriebe und unterstützen sie im Verkauf ihrer Waren. Doch die Zertifizierung kostet ihren Preis, und den ist nicht jeder Bauer bereit zu zahlen. Die Organisation als Verband ermöglicht es kleinen Bauern Zugang zum Markt zu bekommen. Doch im Bezug auf Nachhaltigkeit bedeutet dies, dass die Produkte durch viele Hände gehen bis sie beim Endverbraucher ankommen.

Vor allem bei international arbeitenden Verbänden gleichen Produktion, Lieferung, Verarbeitung und Verkauf eher industriellen Betrieben. Die Menge an Produkten, die hier vermarktet wird, fordert längere Lieferketten. Nun ist das ja auch positiv: natürlich sollten „besser“ produzierte Produkte mehr Menschen zugänglich gemacht werden. Auch der Bio-Apfel aus Neuseeland ist wahrscheinlich besser als der konventionelle Apfel aus Neuseeland. Aber er kommt immer noch aus Neuseeland.

Nun gibt es Berechnungen, die sagen, dass der Transport aus Neuseeland weniger CO² verbraucht als die Kühlung und Lagerung von regionalen Bio-Äpfeln bis zum Sommer des Folgejahres. Auch das mag sein. Aber nachhaltig ist keiner der beiden Äpfel.

Nachhaltige Lebensmittel ohne Bio-Siegel

Zugegeben, das alles macht auf den ersten Blick nicht viel Mut. Doch lass dich davon nicht täuschen. Es gibt viele Möglichkeiten an nachhaltige Lebensmittel zu kommen und so sich gesünder, nachhaltiger und gleichzeitig Bio zu ernähren.

Das Gute ist: manchmal ist Bio auch drin, wo es nicht draufsteht. Viele Bauern arbeiten heutzutage sehr nah an ökologischen Prinzipien auch ohne sich ein teures Bio-Zertifikat zu leisten. Da lohnt sich der Besuch auf dem Wochenmarkt, oder bei einem Hofladen. In einem Gespräch mit den Bauern könnt ihr viel erfahren. Landwirtschaft bestimmt ihr Leben, sie sind oft gerne bereit Auskunft zu geben wie sie arbeiten und warum sie das tun.

Manchmal macht vielleicht das Abweichen von strengen Bio-Richtlinien sogar Sinn. Zum Beispiel bei einer einmaligen Insektenplage, die anders nicht in den Griff zu bekommen ist. Oder du erkennst im Gespräch welche Produkte aus deiner Sicht nachhaltig sind und welche eher nicht. In jedem Fall hilft es dir genauer zu erfahren was du isst und was dir selbst am wichtigsten ist.

Aber auch wie wir mit dem unserem Essen umgehen, kann einen wesentlichen Beitrag zu einem nachhaltigeren Lebensstil leisten. Viel einfacher und günstiger ist es, nur das zu kaufen was man auch verbrauchen kann. Das erfordert ein wenig Planung und Augenmaß, geht aber in der Regel recht leicht. Nachhaltiger als „nur“ Bio zu kaufen ist es auch, selber zu kochen. Die Lebensmittel sparen sich so lange Reisen zur Verarbeitung, zusätzliche Verpackung und Lagerung bis zum Supermarkt. Und das ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch gesünder, weil das Essen einfach frischer ist.

Fazit: wie nachhaltig ist Bio?

Bio ist sicher nachhaltiger als konventionell produzierte Lebensmittel. Doch Nachhaltigkeit kaufst du nicht mit dem Bio-Siegel. Lange Transportwege werden durch das Siegel nicht verboten, auch die Verpackung ist oft nicht weniger oder besser als die von konventionellen Produkten. Und wie bei allem, was wir im Supermarkt kaufen können: es ist meist industriell gefertigt. Menge macht Profit und bestimmt den Preis. Diesem Grundsatz folgt unsere gesamte Wirtschaft und da kommen wir nicht mit einem einfachen Siegel oder dem Bio-Supermarkt raus.

Wenn du dich nachhaltig und gesund ernähren willst, gibt es eine Menge Möglichkeiten, die nicht unbedingt Bio sind. Wichtig ist hier wie bei allem: achte darauf was du kaufst und wo du es kaufst. Und am Besten kaufst du es ohne Verpackung.

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info@nachhaltig4u.de

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